Das Publikum tuschelt aufgeregt, dann hebt sich der schwere Samtvorhang. Scheinwerferlicht fällt auf die Hauptdarstellerin des heutigen Stücks: Berta, eine stolze Henne aus feinstem Lindenholz, bemalt mit treuen, runden Augen und einem prachtvollen Gefieder. Über ihr, im fahlen Licht des Schnürbodens, hält der Puppenspieler das hölzerne Spielkreuz fest in den Händen. Ihre Fäden sind straff gespannt.„Und… Action!“, raunt es aus der Regie. Das Stück „Die große Schatzsuche im Hühnerhof“ beginnt.Der Puppenspieler kippt das Spielkreuz nach vorne. Ein biologisches Meisterwerk der Mechanik erwacht zum Leben. Der erste Faden – im echten Hühnerleben die Strecksehne – zieht an. Berta hebt graziös ihr rechtes Holzbein an. Es schwebt in der Luft. Doch sie zieht die Zehen nicht ein. Nein, wie von Geisterhand spreizen sich die geschnitzten Krallen weit auf, fächerförmig und bereit für den großen Griff. Es sieht aus, als würde die Marionette mit offener Hand nach dem Bühnenboden greifen. Keine Spur von Hängenbleiben – das Bein schwebt sicher über den Kulissen-Blättern.Jetzt folgt der dramatische Wendepunkt der Szene: der Bodenkontakt.Das hölzerne Bein saust nach unten, berührt die Bühne und im selben Bruchteil einer Sekunde reagiert der Puppenspieler am Kreuz. Er lässt den vorderen Faden locker und reißt die hintere Schnur – die mächtige Beugesehne – mit einem Ruck zurück. Klack! Das ist das biologische Signal für den Zugriff. Die weit geöffneten Holzzehen krümmen sich blitzschnell zu Voir plus