Mariam und Toni: Zwischen Hass und Verlangen ## Kapitel 1: Die Feindschaft Die BĂŒrotĂŒr des ArchitekturbĂŒros âKlar & Strukturâ schlug mit einem lauten Knall zu. Mariam, 34, streng, brillant und mit einem Ruf, der ihr in der mĂ€nnerdominierten Branche Respekt verschaffte, hatte soeben die PrĂ€sentation ihres gröĂten Konkurrenten zerstört. Und dieser Konkurrent stand jetzt vor ihr, mit funkelnden, wĂŒtenden Augen. Toni, 32, impulsiv, kreativ und genauso ehrgeizig, ballte die FĂ€uste. âDas war unter aller Sau, Schneider. Meine PlĂ€ne fĂŒr das Kulturzentrum waren originell. Deine waren nur⊠glatt polierte Langeweile.â âOriginalitĂ€t ohne Statik heiĂt Einsturzgefahr, Morettiâ, konterte Mariam kĂŒhl, wĂ€hrend sie ihre Aktentasche schnappte. âDie Jury hat verstanden, was sicher und realisierbar ist.â Sie waren Feinde. Seit Jahren. Zwei der erfolgreichsten Architektinnen der Stadt, die sich bei jeder Ausschreibung, jedem Preis, jedem Artikel in den Fachzeitschriften bekĂ€mpften. Ihre Auseinandersetzungen waren legendĂ€r â scharfzĂŒngig, prĂ€zise und von einer untergrĂŒndigen IntensitĂ€t, die selbst ihre Kollegen verstörte. An diesem Abend, nach dem verheerenden Verlust des Kulturzentrum-Projekts fĂŒr Toni, trafen sie sich ungewollt wieder. In einer angesagten, aber ruhigen Bar, in der jede fĂŒr sich Trost im Gin Tonic suchte. Das erste Glas schweigend, das zweite mit spöttischen Kommentaren gewĂŒrzt. âDu trinkst, um deine GefĂŒhllosigkeit zu ertrĂ€nken?â, fragte Toni hĂ€misch. âIch trinke, um den Voir plus